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Weibliche Mystik: Die Wüstenmütter



Wenn von „weiblicher Mystik“ die Rede ist, sind damit in der Regel Traditionen der Mystik gemeint, die im biologischen Sinn auf Frauen zurückgehen. Im letzten Halbjahr haben wir uns mit einer solchen ‚Mystik von Frauen’ interreligiös befasst: durch Lektüre von Texten jeweils einer islamischen, einer christlichen und einer jüdischen Mystikerin.
In diesem Semester werden wir in die Zeit des frühen Christentums zurückgehen. Damals entstand eine spirituelle Bewegung, die als Ursprung des späteren klösterlichen Lebens der Mönche und der Nonnen gelten kann. Vielfach suchten Männer wie Frauen, ihr Christ-Sein auf eine radikale Weise außerhalb der römisch kontrollierten und für sie damit repressiven Lebenswelt des Vorderen Orients in Einsiedeleien in der Wüste zu praktizieren. Die „Wüstenväter“ wie Antonius der Große haben dabei bis heute einen weitaus höheren Bekanntheitsgrad erreicht als die „Wüstenmütter“.
Das ist ein historisch aufzuarbeitendes Defizit. Es verbindet sich mit Fragen wie diesen: Was haben gerade bei den „Wüstenmüttern“ die auf sich genommenen äußeren Entbehrungen bewirkt bei der Suche nach der ‚inneren Wüste’ als nach dem offenen Ort der Empfängnis für die ‚unio mystica’? Gibt es eine spezifisch ‚weibliche’ Botschaft, die ausstrahlt von der Wüsten-Suche nach Stille, nach Aushalten der eigenen Existenz, die von sich frei werden möchte für den befreienden Gott?
Bewusst wird hier weiterhin das „Weibliche“ im Titel in Anführungszeichen gesetzt, weil eine leitende Frage unserer Lektüren jene sein soll, ob mit der Unterscheidung von Weiblichkeit und Männlichkeit – gerade in Bezug auf Mystik – nicht etwas anklingt, das über die bloße Geschlechterdifferenz hinausträgt, im Sinne einer Ausrichtung entweder auf überbegriffliche Einheit (‚weiblich’) oder begrifflichen Objektivismus (‚männlich’). In dieser gestisch-symbolischen Betrachtungsweise hätten alle Mystikerinnen und Mystiker der Möglichkeit nach individuell je unterschiedlich gewichtete weibliche wie männliche Anteile.
Themen und Termine:
1. Die Wüstenmütter im Zusammenhang mit der Bewegung des Wüstenmönchtums
Referent: Prof. Dr. theol. Christian Uhrig, Philosophisch-Theologische Hochschule Münster
Termin: Dienstag, 24. Februar 2026, 18 bis 20.15 Uhr
2. Wüstenmütter – Einblick in einzelne Positionen
Referent: Dr. Marco A. Sorace, Evangelische Stadtakademie Düsseldorf;
Lesungen: Johanna Dreher, Hamburg
Termin: Dienstag, 14. April 2026
3. Wüstenmütter und „weibliche“ Spiritualität heute
Referentin: Prof Dr. Isabella Bruckner (Rom), angefragt
Termin: Dienstag, 19. Mai 2026
Leitung: Dr. Uwe Beyer (ESA)
Ort: Hybrid-Veranstaltung – in Präsenz in der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf und digital über Zoom
Teilnahmegebühr pro einzelner Veranstaltung: 6 €
Anmeldung: https://estadus.info/kurs/weibliche-mystik-6936da4d18647128819ad676/